Beschreibungen der Handschriften nun auch im Druck erschienen

Die Beschreibungen der erhaltenen Lorscher Handschriften sind in der Virtuellen Bibliothek der „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ als PDF zu jeder einzelnen Handschrift online einsehbar und können über die Projektdatenbank im Internet systematisch durchsucht werden. Ergänzend sind sie Anfang November nun auch in geschlossener Form im Druck erschienen:

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Michael Kautz (Bearb.), Bibliothek und Skriptorium des ehemaligen Klosters Lorsch. Katalog der erhaltenen Handschriften, 2 Bde., Wiesbaden: Harrassowitz 2016.

 

 

Der Katalog wird durch eine ausführliche Darstellung des Forschungsstandes eingeleitet und ist versehen mit verschiedenen Registern, von denen das der (außer den Autoren) sonstigen genannten Personen und das der (nicht aus Lorsch stammenden) sonstigen zitierten Handschriften über das Angebot der Datenbank hinausgehen. Das Inhaltsverzeichnis können Sie auf den Verlagsseiten einsehen.

Tafelwerk zur Lorscher Schriftgeschichte kürzlich erschienen

 

Das Projektteam der Bibliotheca Laureshamensis – digital freut sich, eine der ersten Publikationen ankündigen zu können, zu der die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch maßgeblich beigetragen hat: Kürzlich ist der als paläographisches Lehrwerk zur Schriftgeschichte der Karolingerzeit konzipierte Tafelband Karolingische Schriftkultur. Aus der Blütezeit des Lorscher Skriptoriums von Julia Becker und Tino Licht (Universität Heidelberg) im Verlag Schnell & Steiner erschienen. 40 kommentierte Schrifttafeln illustrieren exemplarisch die Entwicklung der Lorscher Schrift vom 8. bis zum 10. Jh., eingebettet in eine Darstellung zur Entwicklung der karolingischen Minuskel und unter Einbeziehung buchgeschichtlicher Aspekte anhand der Ausgestaltung von Titelzierseiten.

 

Vortrag zur Lorscher Torhalle

Die Fachschaft Mittellatein & Mittelalterstudien der Universität Heidelberg veranstaltet am Freitag, 29. Januar, um 18:30 Uhr einen öffentlichen Vortrag.  Dr. Katarina Papajanni (Bad Homburg/Lorsch) wird über aktuelle Befunde aus der „Bauforschung an der sogenannten Torhalle“ sprechen.

Veranstaltungsort: Universität Heidelberg, Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit (am Historischen Seminar), Grabengasse 3-5, Paläographieraum (027)

Vortragseinladung (PDF)

Letzte Lorscher Handschrift online

Als letztes der Manuskripte aus dem Lorscher Handschriftenerbe nach Bernhard Bischoff und Hartmut Hoffmann (s. Projektbeschreibung) ist Mitte November der Codex Laureshamensis (diplomaticus) im neuen Internetportal Archivum Laureshamense – digital online gegangen. Der Ende des 12. Jh. angelegte Codex ist sozusagen das Urkundenbuch des Klosters Lorsch und hat allein alle bekannten Urkunden vom 8. bis zum 12. Jahrhundert aus Lorsch in regestenartiger Kopialüberlieferung bewahrt. Besonders interessant ist er für die historische Topographie und Regional- und Heimatgeschichte, u.a. da er für zahlreiche Ortschaften in Süd- und Westdeutschland die Ersterwähnungen bietet. In unserem Schwesterportal wurde der Codex Laureshamensis für das wissenschaftlich sowie das allgemeiner interessierte Publikum mit der maßgeblichen Edition und deutschen Übersetzung verlinkt, und die im Codex genannten Orte wurden über ein alphabetisches Register und in interaktiven Karten erschlossen.

 

Würzburg, Staatsarchiv, Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts 72
„Codex Laureshamensis“
Lorsch, ca. 4. Viertel 12. Jh.

 

 

 

Der Codex Laureshamensis entstand im Lorscher Skriptorium und bietet als Einführung zum Kopialbuch auch eine Hauschronik des Klosters. Aus der Bibliotheca Laureshamensis – digital verlinken wir – im letzten Projektschritt – auf die Präsentation im Archivportal. Damit sind nun alle im Projekt anvisierten Handschriften in digitalen Reproduktionen online zugänglich und wissenschaftlich erschlossen. Insgesamt sind 331 Codices, Faszikel und Fragmente, die sich über 309 Signaturen in 73 Bibliotheken, Archiven und Museen in Europa und den USA verteilen, aufgenommen worden. Dabei handelt es sich um 287 (mehr oder weniger vollständig erhaltene) Handschriften, die in 208 Codices bzw. Bänden, einem Rotulus und 78 Faszikeln vorliegen, sowie 43 Fragmente und eine Elfenbeintafel von einem ehemaligen Bucheinband. 277 Handschriften gehen auf die Zuweisung Bischoffs zurück, 54 auf die Hoffmanns. Insgesamt umfasst die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch nahezu 75.000 Bilddateien.

Über den eigentlichen Projektrahmen hinaus wurden Manuskripte, deren Zuweisung an Lorsch nicht auf Bischoff oder Hoffmann beruht, in einer separaten Liste mit Weiteren Handschriften zusammengestellt, die auch zukünftig nach externen Meldungen fortgeführt werden soll. Auch hier konnten zu zahlreichen Handschriften Digitalisate bereitgestellt werden. Des Weiteren wurde der Buchschmuck detailliert in der Bilddatenbank heidICON erschlossen. Schließlich wird, das Projekt abrundend, im kommenden Jahr der Katalog der erhaltenen Handschriften aus Bibliothek und Skriptorium des ehemaligen Klosters Lorsch bei Harrassowitz im Druck erscheinen. Neben den Handschriftenbeschreibungen, die als PDF-Dateien in jeder Handschriftenpräsentation und über die Projektdatenbank bereits zugänglich und verregistert sind, wird hier einleitend eine ausführliche Darstellung der Forschungsgeschichte und des Forschungsstandes zum Lorscher Handschriftenerbe geboten werden.

Das gesamte Projektteam der Universitätsbibliothek Heidelberg bedankt sich bei seinen großzügigen Förderern, der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen unter ihrem Direktor Karl Weber und dem Museumszentrum Lorsch unter der Leitung von Dr. Hermann Schefers, sowie allen Partnerinstitutionen und Privatpersonen, die das Projekt mit Digitalisaten und Hinweisen zur Katalogisierung unterstützt haben und ohne deren Hilfe es nicht zu einem erfolgreichen Abschluss hätte geführt werden können. Wir hoffen, dass die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch zur weiteren Erforschung der mittelalterlichen Schrift- und Bibliotheksgeschichte einlädt wie auch beim Stöbern im spätantiken bis spätmittelalterlichen Buchbestand Freude bereitet und Interesse weckt.

„Bibliothèque virtuelle de Clairvaux — 1472“

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Ein Projekt wie die „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ unterstreicht die Bedeutung mittelalterlicher Klosterbibliotheken für die Wissenschaft. Diese Bibliotheken und deren Bestände gelten heute als Spiegelbild des Wissens des europäischen Mittelalters. Die Ambition, solche Sammlungen digital wieder zusammenzuführen, erfordert oft eine Kooperation von mehreren Institutionen, da die Handschriften heute meist weltweit zerstreut sind.

Weitere Digitalisierungsprojekte, die diese bemerkenswerten Bibliotheken erneut ins Licht rücken, entstehen momentan in verschiedenen europäischen Ländern. Im Juni 2015, im 900. Jubiläumsjahr der Gründung der Abtei Clairvaux, soll die Website eines französischen Projektes veröffentlicht werden, welche Zugang zu etwa 1100 digitalisierten Handschriften bietet. Diese Manuskripte bilden den noch erhaltenen Bestand der Bibliothek der Zisterzienserabtei. Ein 1472 entstandenes Inventar listet rund 1800 Codices auf und bestätigt somit, dass Clairvaux eine der reichsten Bibliotheken Europas war. Von 1115 erhaltenen Handschriften befinden sich heute 1018 in der Mediathek von Troyes (ungefähr 70 km von Clairvaux entfernt). Die restlichen Codices sind auf acht weitere Institutionen verteilt: die Bibliothèque nationale de France, die Bibliothèque Sainte-Geneviève in Paris, die Bibliothèque interuniversitaire in Montpellier, die Bibliothèque municipale in Laon, die Bibliothèque municipale in Mons, die Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz, die British Library in London sowie die Ungarische Nationalbibliothek in Budapest.

Der ehemalige Bestand der Klosterbibliothek Clairvaux, wie er im Inventar aus dem Jahr 1472 verzeichnet ist, wurde 2009 in das Register „Memory of the World“ der UNESCO aufgenommen. Die Erschließung der mittelalterlichen Bibliothek durch dieses Projekt ist eine Initiative der Mediathek von Troyes in Zusammenarbeit mit der Städtegemeinschaft „Grand Troyes“ und weiteren Institutionen. Das Vorhaben, das sich an Wissenschaft und interessierte Laien richtet, ist eines von zahlreichen Projekten, die im Rahmen des 900. Jubiläums der Gründung des Klosters Clairvaux 2015 geplant sind. Unter anderem werden die noch erhaltenen Bauten restauriert sowie ein Kolloquium und eine Ausstellung organisiert. Bereits jetzt ist eine virtuelle Ausstellung im Internet besuchbar.

>> Weitere Informationen

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Bedeutende Lorscher Handschriften


Eine Auswahl der bedeutendsten Lorscher Handschriften wurde nach philologischen und kunsthistorischen Kriterien zusammengestellt. Hierunter fällt zum Beispiel der „Wiener Livius“ mit der nur in diesem Manuskript überlieferten Passage aus den Geschichtsbüchern des antiken Historikers, die reich illustrierte Prachthandschrift des „Lorscher Evangeliars“ oder eine elfenbeinerne Buchdeckelverzierung des heiligen Nazarius, des Lorscher Schutzpatrons.

Alle Codices werden mehrsprachig mit einführenden Texten und Vorschaubildern präsentiert, und über Links gelangen Sie direkt zum digitalen Faksimile der gesamten Handschrift.

>>> zu den Ausgewählten Handschriften

Nachzügler aus Speyer und Mainz online

Das 2011 vom Stadtarchiv Speyer als unauffindbar gemeldete Isidor-Fragment (Bestand 225 [Fragmente, aus Bestand 122-1], Nr. 37) konnte kürzlich ermittelt werden. Digitale Reproduktionen wurden angefertigt und sind nun in die „Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch“ aufgenommen.

 

Speyer, Stadtarchiv, Bestand 225 (Fragmente, aus Bestand 122-1), Nr. 37
Isidorus
Quaestiones in Vetus Testamentum (Fragment)
Lorsch, um 900

 

Des Weiteren konnte die Sammlung um historische „Palimpsestphotographien“ ergänzt werden, die die ausradierten Schriftseiten aus Mainz, Martinus-Bibliothek, Hs. 42 besser erkennen lassen.

 

Mainz, Martinus-Bibliothek, Hs. 42a (Palimpsestphotographien)
Sacramentarium Gregorianum Hadrianum
Westdeutschland oder Rheinland (?), (wohl 1. Hälfte) 9. Jh.

Eröffnung des Freilichtmuseums Lauresham im Jubiläumsjahr – 1250 Jahre Kloster Lorsch

UNESCO Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch
Vor 1250 Jahren wurde das Benediktinerkloster Lorsch gegründet. 2014 ist also ein großes Jubiläumsjahr für die Stadt Lorsch, die ihr UNESCO-Weltkulturerbe feiert. Verschiedene Festakte und Veranstaltungen fanden seit Jahresbeginn statt, um die reiche Geschichte des ehemaligen karolingischen Klosters hervorzuheben.
Die neue Website des Klosters Lorsch und die Website der Stadt Lorsch informieren über das umfangreiche Programm. In einigen Tagen, am 14. September 2014, wird das Freilichtlabor Lauresham eröffnet, welches einen Blick in das alltägliche Leben im Frühmittelalter ermöglicht.

Das Eröffnungsprogramm sowie Informationen zu Führungen finden Sie hier.

Vortrag: „Auf der Suche nach den verlorenen Franken“

Auf Einladung des SFB 933-Teilprojekts „Wissenstransfer von der Antike ins Mittelalter. Bedingungen und Wirkungen dauerhafter Verschriftlichung am Beispiel des Klosters Lorsch“ hält Prof. Helmut Reimitz (Princeton) am Dienstag, 17. Juni 2014, um 18 Uhr einen öffentlichen Vortrag: „Auf der Suche nach den verlorenen Franken: Zur Geschichte fränkischer Identität in den Karolingerreichen des 9. Jahrhunderts“ (Universität Heidelberg, Hörsaal des Historischen Seminars, Grabengasse 3-5). Ein vorangehender Workshop zur „Überlieferung und Neugestaltung von Kirchengeschichte im Kloster Lorsch“ widmet sich historiographischen Handschriften aus der ehemaligen Reichsabtei.

>> Mehr Informationen im Veranstaltungskalender des SFB 933 „Materiale Textkulturen“

„Das Rätsel vom Kloster Lorsch“ im Radio

Am 6. April sendete der SWR2 einen Hörfunkbeitrag mit dem Titel „Das Rätsel vom Kloster Lorsch oder Warum das Frühmittelalter eigentlich gar nicht so düster war, wie man immer gedacht hat“.

Am Beispiel des karolingischen Reichsklosters bietet die Sendung in einer knappen Stunde eine exemplarische Einführung in die Welt des frühen Mittelalters. Neben der Machtpolitik Karls des Großen – anhand der spannend inszenierten Frage, ob der Baiernherzog Tassilo im späten 8. Jahrhundert in der Abtei Lorsch inhaftiert und hier begraben worden war – steht insbesondere die Funktion der Klöster als Verwaltungs- und Wirtschaftsmittelpunkte im fränkischen Reich und deren Bedeutung für das Aufblühen von Kultur und Wissenschaft im karolingischen Zeitalter im Zentrum der von namhaften Wissenschaftlern begleiteten Sendung.

Hingewiesen wird unter anderem auf das im Juli dieses Jahres seine Pforten öffnende Freiluftlabor „Herrenhof Lauresham“, in dem auf Grundlage aktueller archäologischer Erkenntnisse Wirklichkeit und Alltagsleben auch der „einfachen“ Leute den Museumsbesuchern der UNESCO-Welterbestätte Lorsch nahegebracht werden soll. Thematisiert wird außerdem der ideelle Nutzen und die praktische Umsetzung der Musik in der monastischen Liturgie, die Bedeutung des „Lorscher Arzneibuches“ für die Etablierung der Medizin als anerkannten und nützlichen Wissenschaft sowie der aufgrund jüngster baugeschichtlicher Untersuchungen weiterhin als gesichert geltende karolingerzeitliche Ursprung der berühmten „Lorscher Königs- oder Torhalle“. Deren Funktion ist zwar weiterhin ungeklärt, aber dies ist nicht das einzige Rätsel, das das Kloster Lorsch auch kommenden Generationen zur Lösung bereithält. Das weithin als finster angesehene Mittelalter soll natürlich auch mit der „Virtuellen Klosterbibliothek Lorsch“ beleuchtet werden, deren Wert für die Forschung ebenfalls zur Sprache kommt.

Der unter der Regie von Gabi Schlag produzierte Beitrag lässt sich als Podcast im Internet herunterladen.