Lorscher Handschriften in der British Library

bl_harley2970Sieben Handschriften, welche im 9. Jahrhundert im Skriptorium des ehemaligen Klosters Lorsch angefertigt wurden, werden heute in London in der British Library aufbewahrt. Diese Codices sind jetzt – zusammen mit weiteren drei Handschriften, die einen Bezug zu Lorsch aufweisen – in die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch integriert worden. Unter den 70 Institutionen weltweit, welche heute im Besitz von Lorscher Handschriften sind, hält die British Library eine der größten Sammlungen, zusammen mit der Bayerischen Staatsbibliothek München, der Österreichischen Nationalbibliothek, der Bodleian Library in Oxford und der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom.

Im Spätmittelalter gelangten mindestens vier Handschriften aus Lorsch in das Kloster Arnstein. Diese werden heute in der British Library aufbewahrt. Bei den Lorscher Handschriften, welche heute in London in der englischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden, handelt es sich um theologische Texte, genauer exegetische und dogmatische Traktate spätantiker Kirchenväter als auch des Angelsachsen Beda und Theodulfs von Orléans. Zwei weitere Handschriften wurden der Liste der „Weiteren Handschriften“ hinzugefügt: das Fragment Arundel 501, fol. 13, welches Nigel F. Palmer Lorsch zuschrieb, und drei Seiten aus dem Codex Cotton Vespasian D. v, foll. 155r-156r mit einem Gedicht von Heinrich von Avranches über die Starkenburg an der Bergstraße, welche im 13. Jahrhundert im Besitz des Klosters Lorsch war.

Zu allen Handschriften aus der Virtuellen Bibliothek sind bereits wissenschaftliche Beschreibungen erstellt worden und die Lorscher Handschriftendatenbank eingespeist.

Informationen zu den Handschriftenbeständen der British Library finden Sie im „Medieval manuscript blog„, eigens zu den Lorscher Handschriften im Blogbeitrag Lorsch Manuscripts in the British Library„.


bl_harley5915_fol10London, British Library

Additional 17980
Beda
In Lucae evangelium expositio
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Additional 37328
Augustinus
De opere monachorum; De agone christiano
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Arundel 37
Beda
In Ezram et Neemiam prophetas allegorica expositio
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Arundel 386
Prosper Aquitanus; Leo Magnus
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Harley 2970
Evangelistarium
wohl Lorsch, 1. Hälfte oder Mitte 11. Jh.

Harley 3024
Theodulphus Aurelianensis
Libellus de processione spiritus sancti
Orléans, Anfang 9. Jh.

Harley 3032
Hesychius Hierosolymitanus (interprete anonymo)
Commentarius in Leviticum e Graeco in Latinum versus et retractatus
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Harley 3039
Augustinus
De Genesi contra Manichaeos; Contra epistulam Manichaei quam vocant fundamenti; Contra academicos; De ordine
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Harley 3115
Hilarius Pictaviensis
De trinitate; De synodis; Contra Auxentium
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Harley 5915, fol. 10
Iustinus
Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi (Fragment)
wohl Northumbrien, Mitte 8. Jh.

 

Zwei Handschriften auf der Webseite „Weiteren Handschriften“ ergänzen die Virtuelle Bibliothek:

Arundel 501, (e) fol. 13
Hrabanus Maurus
Commentarium in Deuteronomium (Fragment)
wohl Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Cotton Vespasian D V, foll. 155r-156r
Henricus Abrincensis
Carmen de Castro forte in Strata montana sito
?, Ende (?) 13. Jh.

Tagungsband „Digitale Rekonstruktionen mittelalterlicher Bibliotheken“ erschienen

Zum Symposium „Digitale Rekonstruktionen mittelalterlicher Bibliotheken“ (Trier, 18./19. Januar 2013) erschien vergangenen Monat der Tagungsband. Er enthält u.a. einen Beitrag zur „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ von Alexandra Büttner und Michael Kautz, weitere Artikel können Sie dem Inhaltsverzeichnis entnehmen.

Neue Handschriften online

Seit Anfang des Jahres konnten Handschriften aus zahlreichen internationalen Bibliotheken in die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch integriert werden:

Brüssel, Bibliothèque royale de Belgique
Ms. 9845-9848
Magnus Felix Ennodius
Opera omnia
Nordostfrankreich, 1. Hälfte 9. Jh.

oszk_clmae3

Budapest, Országos Széchényi Könyvtár
Cod. lat. 3
Boethius
De institutione arithmetica
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Cod. lat. 51
Biblia, Canticum canticorum cum glossa
?, um 1200

Köln, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek
Cod. 58
Hieronymus
Commentarii in III epistulas Paulinas ad Ephesios, ad Titum et ad Philemonem
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Los Angeles, J. Paul Getty Museum
Ms. Ludwig II 1
Evangeliarium
Lorsch, 826 bis nach 830

Merseburg, Domstiftsbibliothek
Cod. 105
Martinellus: Lorsch, um 800
Alcuinus: Nordostfrankreich (Arras ?), Ende 8. Jh.

Montpellier, Bibliothèque universitaire de médecine, Bibliothèque interuniversitaire de Montpellier
H 125
Persius; Iuvenalis
Saturae cum glossis
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh

Orléans, Médiathèque
Ms. 20 (17)
Evangeliarium
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Paris, Bibliothèque nationale de France
Latin 3851
Cresconius (Afer episcopus)
Concordia canonum (unvollständig)
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh. (Fasz. I)

Valenciennes, Bibliothèque multimédia
Ms. 69 (62)
Evangeliarium
wohl Arras (St. Vaast), 1. Hälfte 9. Jh.

Würzburg, Universitätsbibliothek
M. p. th. f. 19
Gregorius Magnus
Dialogi
Westdeutschland (Umkreis von Lorsch ?), um 800

M. p. th. f. 132
Kalendarium, Martyrologium et Necrologium Laureshamense („Lorscher Totenbuch“)
Lorsch, Ende 13. Jh. bis 1. Drittel 14. Jh.

 

 

Unter „Weitere Handschriften“ konnten folgende Handschriften ergänzt werden:

Innsbruck, Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
Fragm. 2
Homiliae et Exegetica (Fragment)
Rheinland, 1. Hälfte 9. Jh.

Würzburg, Universitätsbibliothek
M. p. th. f. 34, foll. 89v-102v
Druthmarus abb. Corbeiae Novae
Sermo in laudem beati Nazarii martyris sociorumque eius
Weißenburg, 1. Hälfte 11. Jh.

Die Seite “Weitere Handschriften“ führt derzeit Codices auf, deren Zuweisung an Lorsch von Bernhard Bischoff oder Hartmut Hoffmann explizit abgelehnt wurde bzw. diesen nicht bekannt war und die erst in jüngerer Zeit Lorsch zugeschrieben oder mit Lorsch in Verbindung gebracht wurden.

Handschriften aus der Bodleian Library in Oxford online

Mit den 20 Handschriften aus der Oxforder Bodleian Library ist nun auch der zweitgrößte Bestand an ehemaligen Lorscher Codices in die „Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch“ integriert.

Unter den Oxforder Manuskripten befindet sich ein Prachtevangeliar des 11. Jahrhunderts (MS. Douce 292), das der sog. Oudalricus-peccator-Gruppe zugezählt wird und wohl in Lorsch oder Lüttich für einen deutschen König hergestellt wurde. Es ist leider nur unvollständig erhalten, die Evangelien nach Lukas und Johannes sind verlorengegangen. An den bewahrten Evangelienanfängen ist es mit ganzseitigen Miniaturen der Evangelisten Matthäus (fol. 6v) und Markus (fol. 69v) sowie mit jeweils folgenden Initialzierseiten geschmückt. Der Vorderdeckel des Einbandes wurde mit einem prachtvollen Metallrahmen verziert, in den unter anderem ein Bild des Stifters, Heinrichs III. oder Heinrichs IV. (?), rechts in der Mitte eingraviert wurde und der eine Elfenbeintafel umschließt, die den thronenden Christus zeigt. Am Anfang (fol. 1r) im 13. Jahrhundert eingetragene Personen- mit Ortsnamen belegen, dass der Codex zu dieser Zeit in einer Kirche in oder bei Laon in Frankreich aufbewahrt wurde. 1829 ist er im Besitz des englischen Antiquars Francis Douce nachweisbar, der das Evangeliar 1834 an die Bodleian Library vererbte.

 

Die restlichen 19 Handschriften stammen alle aus dem Besitz des Erzbischofs von Canterbury und Kanzlers der Universität Oxford William Laud († 1645). Am 28. Juni 1639 schenkte er sie mit zahlreichen weiteren Handschriften, die er hauptsächlich aus Kriegsbeuten im vom Dreißigjährigen Krieg erschütterten Deutschland bezogen hatte, der Bodleian Library, nachdem er alle Codices neu hatte binden und den Einband mit seinem Wappen in Goldprägung auf Vorder- und Hinterdeckel hatte ausstatten lassen. Vermutlich 18 Codices stammten aus dem 1631-1635 mehrmals von schwedischen und hessischen Truppen geplünderten Zisterzienserkloster Eberbach bei Eltville am Rhein, wohin sie wahrscheinlich in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Lorsch gelangt waren, als Mönche aus Eberbach versucht hatten, die Zisterzienserobservanz im dortigen Benediktinerkloster durchzusetzen. Eine der 19 Handschriften (MS. Laud. mis. 271) gelangte, ebenfalls während des Dreißigjährigen Krieges, aus der Würzburger Dombibliothek in den Besitz Lauds; das in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts vermutlich im Einflussbereich Lorschs geschriebene Manuskript geriet bald nach seiner Herstellung, spätestens im 10. Jahrhundert, auf unbekannten Wegen an den fränkischen Bischofssitz.

Sämtliche Handschriften aus der Sammlung Lauds bieten Texte spätantiker Kirchenväter und Bischöfe, die im 9. Jahrhundert kopiert worden waren. Ausnahmen sind lediglich: der Codex MS. Laud. misc. 159, der einen karolingerzeitlichen Kommentar zu den ersten acht Büchern des Alten Testaments enthält, zusammen mit einer Auslegung des Anfangs der Genesis aus der Feder des Angelsachsen Beda Venerabilis († 735); eine Predigtsammlung (MS. Laud. misc. 427) stammt aus dem 10. Jahrhundert, und eine Bibelhandschrift (MS. Laud. lat. 21) mit den Zwölf kleineren Propheten und zugehörigen Erläuterungen aus der sog. Glossa ordinaria wurde erst im 12. oder 13. Jahrhundert, möglicherweise in Lorsch, hergestellt. Auffällig ist das große Format fast aller 19 Handschriften; der Bücherliebhaber Laud scheint sie vor allem aus bibliophilen Gesichtspunkten ausgewählt zu haben, um eine prestigeträchtige Sammlung aufzubauen.

Lorscher Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek München

Mit 17 Codices, Faszikeln und Fragmenten befindet sich der größte deutsche Bestand an Handschriften, die mit dem Kloster Lorsch in Verbindung gebracht werden, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München. Seit 1803 gelangten sie mit zahlreichen anderen Handschriften und gedruckten Büchern aus säkularisierten Klöstern in die damalige königliche Hofbibliothek. Unter den Lorscher Manuskripten in München stammen sieben aus dem 9. und zehn aus dem 11. Jahrhundert.
Ein Bibelfragment (Clm 29265/4) reicht vielleicht sogar bis ins 8. Jahrhundert, an die Anfänge des Lorscher Skriptoriums, zurück. Ein Manuskript mit Schulschriften spätantiker Grammatiker (Clm 19484) entstand wie auch ein nur fragmentarisch erhaltenes, von Smaragdus von St-Mihiel († um 830) verfasstes Predigthandbuch (Clm 22215, 22251, 22384, 29476/1) vor oder um das Jahr 850, in der Zeit des nach Bernhard Bischoff sogenannten Jüngeren Lorscher Stils. Ein Codex mit der dogmatischen Schrift des Kirchenvaters Augustinus († 430) „De baptismo contra Donatistas“ wurde in der Spätblüte des karolingerzeitlichen Lorscher Skriptoriums nach 860 geschrieben (Clm 21218). Ob die drei anderen Handschriften des 9. Jahrhunderts aus Lorsch stammen, ist nicht gänzlich gesichert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Handschriften des 11. Jahrhunderts sind zum größten Teil sicher nicht in Lorsch selbst entstanden, waren auch niemals Teil der dortigen Bibliothek, wurden aber – nach den Erkenntnissen Hartmut Hoffmanns – unter Mitwirkung von einem oder zwei im Lorscher Skriptorium geschulten Schreibern in bayerischen Klöstern in Freising, Tegernsee, Regensburg und eventuell Polling angefertigt. Zu dieser Gruppe von sieben Codices gehört auch Clm 18669, der erst kürzlich aufgrund der 2012 erschienenen, jüngsten Studie Hoffmanns („Schreibschulen und Buchmalerei. Handschriften und Texte des 9.-11. Jahrhunderts“) in die „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ aufgenommen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Digitalisate der anderen 16 Manuskripte, darunter auch ein mit Miniaturen und Initialen prächtig geschmücktes Evangelistar (Clm 23630) aus der sogenannten Oudalricus-peccator-Gruppe, sind schon seit 2012 in die „Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch“ integriert. Des Weiteren liegen zu allen Handschriften kodikologische und inhaltliche Beschreibungen vor, die sowohl in Form einer PDF-Datei konsultiert als auch über die projekteigene Lorscher Handschriftendatenbank systematisch erschlossen werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Bayerischen Staatsbibliothek auch für die Bereitstellung einer Photographie eines heute nicht mehr auffindbaren Bibelfragments aus der ehemaligen John F. Reed Collection in King of Prussia (Pennsylvania), die im Nachlass Bernhard Bischoffs in München vorhanden ist und anstelle des Originals digitalisiert werden konnte.

Elfenbeinerne Nazariustafel aus dem Museum August Kestner in Hannover

Das Museum August Kestner in Hannover verwahrt eine Elfenbeinschnitzerei des heiligen Nazarius, die in ottonischer Zeit, wohl Ende des 10. Jahrhunderts, angefertigt wurde und nun in der „Virtuellen Lorscher Klosterbibliothek“ online gestellt ist.

nazariustafel-hannoverDie 16,5 x 10 cm messende Tafel mit Palmettenrahmen zeigt einen Mann mit Heiligenschein und weist ihn mit der Siegespalme als Märtyrer aus. Im Redegestus steht er auf oder vor einer kleinen Arkadenreihe, die ihm als Sockel zu dienen scheint und vielleicht auch ein Gebäude oder einen Ort repräsentiert. Die Beischrift identifiziert ihn als S[AN]C[TV]S NAZARIVS.

Die Tafel zierte einst wohl die Buchdeckel einer liturgischen Prachthandschrift, vermutlich einer aus dem Lorscher Nazariuskloster. In Frage käme aber auch eine Kirche in Trier, wo Nazarius mit seinem Schüler Celsus im 3. Jahrhundert gewirkt haben soll. Wahrscheinlich wurde die zierliche Elfenbeinplatte unter Einfluss des sogenannten Meisters des Registrum Gregorii hergestellt, der im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts in Trier als Buchmaler tätig war. Hier schuf er unter anderem ein Prachtsakramentar für Lorsch (heute Chantilly, Bibliothèque du château, Ms. 40), wo zu dieser Zeit Abt Salemann (972-999) die Kirche mit Goldschmiedearbeiten ausschmücken ließ und auch mehrere codices de monasterio sancti Nazarii mit edlen Prachteinbänden verzierte.

Hannover, Museum August Kestner
Inv.-Nr. 410
Elfenbeinerne Nazariustafel
Trier (?) oder Lorsch (?), ca. 4. Viertel 10. Jh.

Neue Lorscher Handschriften aus Edinburgh und New York online

Zwei weitere Lorscher Handschriften konnten in das Projekt „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ aufgenommen werden:

Bei dem Codex (Ms. 12 olim Laing 5) der University Library of Edinburgh handelt es sich um ein Evangeliar, welches in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts im Lorscher Skriptorium angefertigt und im 12. oder 13. Jahrhundert mit Titelseiten und gold-silbernen Initialen ausgeschmückt wurde. Ein Besitzvermerk des 14. Jahrhunderts (fol. 1r), der zwar größtenteils nicht mehr lesbar ist, weist den Codex als Besitz des Trierer Eucharius-/Matthiasklosters aus. Unter den Beitexten finden sich auch zwei rhythmische Gedichte über die Kanontafeln (foll. 7v-8v), die selbst jedoch in dieses Manuskript nicht aufgenommen wurden.

Aus der Burke Library at Union Theological Seminary, Columbia University Libraries in New York konnte ein aus einem Doppelblatt bestehendes Sakramentarfragment online gestellt werden. Das Fragment wurde im 9. Jahrhundert im ehemaligen Kloster Lorsch geschrieben und im 10. oder 11. Jahrhundert mit heute leider stark verblassten Initialen verziert. Aufgrund des Schriftbefundes ist seine Entstehung in Zusammenhang mit dem „Lorscher Rotulus“ und den illustrierten Sakramentarfragmenten in Augsburg (UB, Cod. I.2.4° 1) und Erlangen (UB, Ms. 2000) zu setzen.

Edinburgh, University Library
Ms. 12 (olim Laing 5)
Evangeliarium
Lorsch, 2. Hälfte 11. Jh.

New York, The Burke Library at Union Theological Seminary, Columbia University Libraries
Ms. 59
Sacramentarium Gregorianum Hadrianum (Fragment)
Lorsch, ca. 3. Viertel 9. Jh

Handschriften der Bibliothèque nationale de France online

bnf_lat7906Ein etwas größerer Bestand von sechs ehemaligen Lorscher Handschriften liegt heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris. Alle stammen aus der Karolingerzeit und sind zum Teil zusammengebunden mit später und an anderen Orten geschriebenen Handschriften. Ein Manuskript (Latin 7906, foll. 59r-88v, Faszikel III) bietet einen alten Überlieferungszeugen für Vergils Aeneis. Ein anderes (Latin 16668) wurde im Unterricht der Lorscher Klosterschule verwendet, erkennbar an der Textzusammenstellung und u.a. auch an – wohl im 10. Jahrhundert eingetragenen – Glossen bzw. Erklärungen in althochdeutscher Sprache. Bei dem Codex (Latin 1546) handelt es sich um die einzige handschriftlich überlieferte Quelle zum  Religionsgespräch, das im Jahr 411 zwischen Katholiken und Donatisten in Karthago abgehalten wurde und die Frage klären sollte, wie mit Gläubigen umzugehen sei, die sich im Zuge von Christenverfolgungen kurzzeitig von der Kirche abgewandt hatten.

Fünf der sechs Handschriften können bereits in der Virtuellen Klosterbibliothek Lorsch eingesehen werden. Die letzte Pariser Handschrift (Latin 3851, Faszikel I) mit weiteren Quellen zur spätantiken Kirchengeschichte wird Anfang nächsten Jahres folgen.

Paris, Bibliothèque nationale de France

Latin 1546
Gesta collationis Carthaginiensis a. 411
Lorsch, 1. Hälfte 9. Jh.

Latin 5018
Regino Prumiensis, Chronica: ?, 11. Jh.
Beda, De temporum ratione liber, cap. LXVI: Rheinland (Lorsch?), um 800

Latin 7906
Terentius: ?, wohl 13. Jh.
Iuvenalis: ?, wohl 10. Jh.
Vergilius; Dares Phrygius; Liber historiae Francorum: Rheinland (Lorsch ?), um 800
Anonymus, Carmen de disputatione mundi et religionis: ?, wohl 14. Jh.

Latin 12292
Liber quaestionum in evangeliis: wohl Irland, um 800 (Fragment)
Florus Lugdunensis etc.: ?, 2. Hälfte 9. Jh.
Iohannes Cassianus, De institutis coenobiorum: Lorsch, 2. Hälfte 9. Jh.

Latin 16668
Beda; Aldhelmus; Ps.-Themistius; Decretum Gelasianum
Lorsch, um 800

 

Alle digitalen Handschriften sind auch im Portal gallica der Bibliothèque nationale de France einzusehen.

Letzte Handschrift aus Österreich online

Ein Lorscher codex discissus zwischen Rheinland, Neckar, Vatikan, Schwarzwald, Lavanttaler Alpen und nun wieder vereint im WorldWideWeb

Mit Cod. 110/6 aus dem Archiv des Benediktinerstifts St. Paul im Lavanttal sind nun alle bekannten Lorscher Handschriften, welche heute in Österreich aufbewahrt werden, in die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch integriert worden. Bei den Fragmentblättern aus Kärnten handelt es sich um das Ende eines Exemplars vom Tonar Bernos von der Reichenau, welches um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Lorsch angefertigt wurde und der Oudalricus-peccator-Gruppe zugeordnet wird. Der Hauptteil des codex discissus, der zerteilten Handschrift, wird heute in der Biblioteca Apostolica Vaticana aufbewahrt (Vatikan, BAV, Pal. lat. 1344). Im Rahmen des Projektes konnten die beiden Teile nun mit Hilfe moderner Technik im Internet wieder zusammengeführt werden.

Der Tonar – eine nach den acht Kirchentonarten geordnete Zusammenstellung von Gesängen des gregorianischen Choralrepertoires – des Berno von der Reichenau († 1048) gehört mit seinem musiktheoretischen Prolog zu den meistüberlieferten Musiktraktaten des Mittelalters. Der Lorscher Codex entstand noch zu Lebzeiten des Autors oder nur kurze Zeit später. Über die Heidelberger Bibliotheca Palatina gelangte er 1623 in die vatikanische Bibliothek, wo er im 18. Jahrhundert die Aufmerkamkeit Martin Gerberts erregte. Der Fürstabt von St. Blasien im Schwarzwald (1764-1793) hat durch quellenbasierte historische Forschungen auf dem Gebiet der Kirchen- und Musikgeschichte seinen Namen bis heute bewahrt. Er ging jedoch nicht zimperlich vor und scheute auch nicht davor zurück, Blätter für spätere Studien aus ihrem Codex herauszureißen und unerlaubterweise an sich zu nehmen; seine bleibenden Verdienste gehen nicht allein zu Lasten des Diebstahls der neun Blätter aus dem Lorscher Tonar. Als das Kloster St. Blasien 1806 im Zuge der napoleonischen Umwälzungen aufgelöst wurde, suchte der Restkonvent eine neue Heimat, 1809 fand er mit einigem geretteten Habe, darunter auch einen Teil der Klosterbibliothek, einen Zufluchtsort in St. Paul im Lavanttal im habsburgischen Kärnten.

Ein weiteres Manuskript aus St. Paul im Lavanttal ist der Codex 8/1, der zwar nicht in Lorsch entstanden ist und auch nicht zum Bestand der Lorscher Klosterbibliothek gehörte, aber die sog. Lorscher Annalen – ein karolingerzeitliches Geschichtswerk, dessen Abfassung mit dem Kloster Lorsch in Verbindung gebracht wird – enthält. Ebenfalls digitalisiert wurde er in die Liste der „Weiteren Handschriften“ integriert, die als künftige Forschungsgrundlage die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch ergänzen soll.


St. Paul i. Lavanttal, Stiftsarchiv

Cod. 110/6
Berno Augiensis
Tonarius (Fragment)
Lorsch, ca. Mitte 11. Jh.

Cod. 8/1 in der Liste „Weitere Handschriften“
Annales Laureshamenses
Reichenau, ca. 835

Codex der Bibliothèque nationale de Luxembourg online

bnl_ms110Die historiographische Handschrift Ms 110 der Bibliothèque nationale de Luxembourg wurde in die Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch aufgenommen. Der Codex besteht aus vier ursprünglich selbständigen Teilen, von denen nur der zweite Faszikel einen Bezug zu Lorsch aufweist: In der 1. Hälfte des 9. Jh. wurde er möglicherweise in der Abtei Saint-Vaast bei Arras im Norden Frankreichs für das Kloster Lorsch angelegt, doch ist der Entstehungszusammenhang noch nicht restlos geklärt.

Luxemburg, Bibliothèque nationale de Luxembourg

Ms 110
Solinus; Iulius Valerius; Ps.-Alexander Magnus: ?, 13. Jh.
Freculphus Lexoviensis, Chronicon: Nordostfrankreich (Arras?), 1. Hälfte 9. Jh.
Iohannes de Alta Silva: Maas-Gebiet, 13. Jh.
Iohannes de Plano Carpini: Nordfrankreich, 13. Jh.