Elfenbeinerne Nazariustafel aus dem Museum August Kestner in Hannover

Das Museum August Kestner in Hannover verwahrt eine Elfenbeinschnitzerei des heiligen Nazarius, die in ottonischer Zeit, wohl Ende des 10. Jahrhunderts, angefertigt wurde und nun in der „Virtuellen Lorscher Klosterbibliothek“ online gestellt ist.

nazariustafel-hannoverDie 16,5 x 10 cm messende Tafel mit Palmettenrahmen zeigt einen Mann mit Heiligenschein und weist ihn mit der Siegespalme als Märtyrer aus. Im Redegestus steht er auf oder vor einer kleinen Arkadenreihe, die ihm als Sockel zu dienen scheint und vielleicht auch ein Gebäude oder einen Ort repräsentiert. Die Beischrift identifiziert ihn als S[AN]C[TV]S NAZARIVS.

Die Tafel zierte einst wohl die Buchdeckel einer liturgischen Prachthandschrift, vermutlich einer aus dem Lorscher Nazariuskloster. In Frage käme aber auch eine Kirche in Trier, wo Nazarius mit seinem Schüler Celsus im 3. Jahrhundert gewirkt haben soll. Wahrscheinlich wurde die zierliche Elfenbeinplatte unter Einfluss des sogenannten Meisters des Registrum Gregorii hergestellt, der im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts in Trier als Buchmaler tätig war. Hier schuf er unter anderem ein Prachtsakramentar für Lorsch (heute Chantilly, Bibliothèque du château, Ms. 40), wo zu dieser Zeit Abt Salemann (972-999) die Kirche mit Goldschmiedearbeiten ausschmücken ließ und auch mehrere codices de monasterio sancti Nazarii mit edlen Prachteinbänden verzierte.

Hannover, Museum August Kestner
Inv.-Nr. 410
Elfenbeinerne Nazariustafel
Trier (?) oder Lorsch (?), ca. 4. Viertel 10. Jh.

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