Lorscher Handschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek München

Mit 17 Codices, Faszikeln und Fragmenten befindet sich der größte deutsche Bestand an Handschriften, die mit dem Kloster Lorsch in Verbindung gebracht werden, heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München. Seit 1803 gelangten sie mit zahlreichen anderen Handschriften und gedruckten Büchern aus säkularisierten Klöstern in die damalige königliche Hofbibliothek. Unter den Lorscher Manuskripten in München stammen sieben aus dem 9. und zehn aus dem 11. Jahrhundert.
Ein Bibelfragment (Clm 29265/4) reicht vielleicht sogar bis ins 8. Jahrhundert, an die Anfänge des Lorscher Skriptoriums, zurück. Ein Manuskript mit Schulschriften spätantiker Grammatiker (Clm 19484) entstand wie auch ein nur fragmentarisch erhaltenes, von Smaragdus von St-Mihiel († um 830) verfasstes Predigthandbuch (Clm 22215, 22251, 22384, 29476/1) vor oder um das Jahr 850, in der Zeit des nach Bernhard Bischoff sogenannten Jüngeren Lorscher Stils. Ein Codex mit der dogmatischen Schrift des Kirchenvaters Augustinus († 430) „De baptismo contra Donatistas“ wurde in der Spätblüte des karolingerzeitlichen Lorscher Skriptoriums nach 860 geschrieben (Clm 21218). Ob die drei anderen Handschriften des 9. Jahrhunderts aus Lorsch stammen, ist nicht gänzlich gesichert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Handschriften des 11. Jahrhunderts sind zum größten Teil sicher nicht in Lorsch selbst entstanden, waren auch niemals Teil der dortigen Bibliothek, wurden aber – nach den Erkenntnissen Hartmut Hoffmanns – unter Mitwirkung von einem oder zwei im Lorscher Skriptorium geschulten Schreibern in bayerischen Klöstern in Freising, Tegernsee, Regensburg und eventuell Polling angefertigt. Zu dieser Gruppe von sieben Codices gehört auch Clm 18669, der erst kürzlich aufgrund der 2012 erschienenen, jüngsten Studie Hoffmanns („Schreibschulen und Buchmalerei. Handschriften und Texte des 9.-11. Jahrhunderts“) in die „Bibliotheca Laureshamensis – digital“ aufgenommen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Digitalisate der anderen 16 Manuskripte, darunter auch ein mit Miniaturen und Initialen prächtig geschmücktes Evangelistar (Clm 23630) aus der sogenannten Oudalricus-peccator-Gruppe, sind schon seit 2012 in die „Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch“ integriert. Des Weiteren liegen zu allen Handschriften kodikologische und inhaltliche Beschreibungen vor, die sowohl in Form einer PDF-Datei konsultiert als auch über die projekteigene Lorscher Handschriftendatenbank systematisch erschlossen werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern der Bayerischen Staatsbibliothek auch für die Bereitstellung einer Photographie eines heute nicht mehr auffindbaren Bibelfragments aus der ehemaligen John F. Reed Collection in King of Prussia (Pennsylvania), die im Nachlass Bernhard Bischoffs in München vorhanden ist und anstelle des Originals digitalisiert werden konnte.

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